In der Life-Science- und Pharmaindustrie ist eine automatische Kalibrierung (auch automatisierte Feldkalibrierung oder softwaregestützte Inline-/Selbstkalibrierung genannt) zulässig und regulatorisch anerkannt, sofern sie die strengen Anforderungen von GMP, GAMP 5 und FDA 21 CFR Part 11 erfüllt. Automatische Verfahren eliminieren manuelle Übertragungsfehler und minimieren die Standzeiten der Anlagen.


Um die Zulässigkeit bei Audits und Inspektionen nachzuweisen, müssen folgende Kernkriterien zwingend erfüllt sein:

1. Regulatorische Grundvoraussetzungen

  • Lückenlose Rückführbarkeit: Auch eine automatisierte Kalibrierung muss zwingend auf nationale oder internationale Normale (z. B. PTB, NIST) rückführbar sein. Bei autarken Systemen muss die interne Referenz zyklisch extern zertifiziert werden.
  • Datenintegrität nach ALCOA+: Die Erfassung, Berechnung und Speicherung der Kalibrierwerte muss manipulationssicher erfolgen. Es wird ein lückenloser, elektronischer Audit Trail verlangt (Wer/Was/Wann) gemäß FDA 21 CFR Part 11.
  • Software-Validierung nach GAMP 5: Die für die Automatisierung genutzte Software (z. B. ein automatisiertes Kalibriermanagementsystem oder geräteinterne Logik) muss als Computersystem validiert sein.


2. Typische technische Umsetzungen im Life-Science-Bereich

In modernen Anlagen kommen vorwiegend zwei automatisierte Ansätze zum Einsatz:

Methode Funktionsweise Praxis-Beispiel Zulässigkeits-Bedingung


Automatisierte Vor-Ort-Systeme

  • Steuerungssysteme fahren Ventile an, um den Sensor vollautomatisch von der Produktlinie zu trennen und mit flüssigen Referenzmedien (z. B. Puffern) zu spülen.
  • pH-Sensoren oder Leitfähigkeitsmesszellen in CIP/SIP-Anlagen.
  • Die verwendeten Pufferlösungen müssen chargenzertifiziert sein. Die Reinigungs- und Spülzeiten müssen validiert sein.


Integrierte Selbstkalibrierung

  • Der Sensor nutzt einen eingebauten, physikalischen Fixpunkt, um sich während des Prozesses oder im Ruhezustand selbst zu überprüfen.
  • Temperaturfühler mit integriertem Miniatur-Curie-Fixpunkt-Normal (z. B. von Endress+Hauser).
  • Das System darf Justierungen nur innerhalb enger, vorab definierter Toleranzen vornehmen. Jeder automatische Abgleich muss ein fälschungssicheres Protokoll erzeugen.



3. Vorgehensweise zur Audit-Sicherheit 

Damit die automatisierte Kalibrierung bei Behördeninspektionen (z. B. durch die FDA oder lokale Landesbehörden) nicht beanstandet wird, müssen Betreiber folgende Dokumente im Calibration Master Plan verankern:

  1. Risikoanalyse: Nachweis, dass das automatisierte Verfahren für die Kritikalität der jeweiligen Messstelle (z. B. produktberührender Temperatursensor) adäquat ist.
  2. SOPs (Arbeitsanweisungen): Exakte Definition, was bei einer Grenzwertüberschreitung während der automatischen Kalibrierung geschieht (Out-of-Tolerance-Prozess).
  3. Automatisierte Zertifikate: Das System muss Kalibrierscheine generieren, die dem Standard der ISO/IEC 17025 bzw. den GMP-Richtlinien entsprechen