Siemens bietet für die automatisierte Kalibrierung und Verifizierung von eingebauter Sensorik (Inline-/In-situ-Sensorik) in der Prozessindustrie und Fertigungsautomatisierung verschiedene hardware- und softwarebasierte Ansätze an. Das Ziel dabei ist, Messfehler (Drift) im laufenden Betrieb zu erkennen und zu korrigieren, ohne den Sensor ausbauen oder den Prozess unterbrechen zu müssen.

Die wichtigsten Technologien und Services im Überblick:



1. Integrierte Verifizierung im laufenden Prozess (In-situ)

Für fest eingebaute Feldgeräte (z. B. Durchfluss-, Druck- oder Füllstandsmessung) nutzt Siemens intelligente Diagnosetools, die eine Überprüfung direkt in der Rohrleitung erlauben:


  • SITRANS FM Verificator: Dieses Tool ermöglicht die Überprüfung und Rückverfolgung von elektromagnetischen Durchflussmessgeräten (wie dem SITRANS FM MAG 3100) direkt am Einbauort. Es prüft die magnetische Integrität und die Elektronik, ohne den laufenden Prozess zu stoppen. [1, 2]

  • SENSORPROM-Technologie: Sensoren wie der SITRANS FM MAG 1100 speichern Werkskalibrierungsdaten und spezifische Parameter automatisch auf einem integrierten Chip. Bei einem Elektroniktausch ("Hot Swap") kalibriert sich das System quasi selbst, da die Daten sofort neu eingelesen werden, ohne dass eine manuelle Neuprogrammierung nötig ist.[1]


2. Automatisierte Kalibrierung in der Robotik und Fertigung

In der diskreten Fertigung müssen eingebaute Kamerasysteme oder Roboterwerkzeuge kontinuierlich nachjustiert werden:


  • iSiOS (Siemens Ecosystem): Ein spezialisiertes System zur automatisierten Rekalibrierung von Industrierobotern und deren externen Achsen. Es korrigiert Ungenauigkeiten direkt in der Arbeitszelle (Onsite). [1, 2]

  • SIMOCRANE CenSOR: Bei kamerabasierten Messsystemen (z. B. an Kränen) erfasst das System die Auslenkung von Reflektoren. Die Montageparameter werden über eine integrierte automatische Kalibrierung in der Nulllage ermittelt, um mechanische Toleranzen selbstständig auszugleichen. [1]


3. Digitale Einbindung über SIMATIC & Cloud (Asset Management)

Die Automatisierung der Kalibrierungszyklen erfolgt meist über überlagerte Software-Systeme:


  • SIMATIC PDM (Process Device Manager): Feldgeräte werden über Protokolle wie HART, PROFIBUS oder PROFINET permanent überwacht. Schleichende Sensor-Drifts werden durch mathematische Modelle und Plausibilitätsprüfungen (z. B. durch Abgleich mit redundanten Sensoren) erkannt.

  • Siemens Calibration Services (SIRENT): Wenn eine automatisierte In-situ-Prüfung nicht ausreicht und eine physische, DAkkS-zertifizierte Kalibrierung vorgeschrieben ist, bietet Siemens über das SIRENT-Portal ein webbasiertes Prüfzyklusmanagement an. Techniker kommen mit mobilen Kalibrierständen direkt an die Anlage (Onsite-Kalibrierung), um Stillstandzeiten zu minimieren. [1, 2]

Zusammenfassung: Während eine vollständig autonome Selbstkalibrierung ohne jedes Normal physikalisch oft an Grenzen stößt, löst Siemens dies durch In-situ-Verifikations-Hardware (z. B. SITRANS Verificator), digitale Parameterspeicher (SENSORPROM) und softwaregestützte Abgleichroutinen (z. B. in der Robotik oder bei Gebäude-Helligkeitssensoren).