Die Außerbetriebnahme und das Änderungsmanagement für die Gebäude Automation in kontrollierten Umgebungen muss dem kundenspezifischem QM-System und den strengen regulatorischen Anforderungen wie GxP (GMP/GLP), 21 CFR Part 11 und den ISPE GAMP 5-Leitfäden entsprechen.
Change Control (Änderungsmanagement)
Der Change-Control-Prozess stellt sicher, dass alle Modifikationen an der Gebäudeautomation kontrolliert, dokumentiert, risikobasiert bewertet und validiert werden, bevor sie in Kraft treten.
Phasen des Change-Control-Prozesses
- Antrag (Initiation): Erfassung der geplanten Änderung (z. B. Software-Update, Austausch eines defekten DDC-Reglers gegen ein neueres Modell, Sensor-Erweiterung).
- Auswirkungsanalyse & Risikobewertung (Impact & Risk Assessment):
- Bestimmung des GxP-Status: Ist das Teilsystem "System Critical" (direkter Produkteinfluss) oder "Non-Critical"?
- Bewertung der Risiken für Datenintegrität (Audit Trail) und Validierungsstatus.
- Genehmigung zur Umsetzung (Pre-Approval): Freigabe des Änderungsantrags durch den Systemverantwortlichen, die Qualitätsmanagement-Einheit (QA) und ggf. Fachexperten.
- Umsetzung & Testung (Execution & Testing):
- Technische Durchführung der Änderung.
- Kalibrierung neuer Sensoren.
- Durchführung von Re-Qualifizierungsmaßnahmen (IQ/OQ) basierend auf der Risikoanalyse.
- Dokumentation & Abschluss (Closure):
- Aktualisierung der As-Built-Dokumentation (Schaltpläne, Software-Backups, R&I-Fließbilder).
- Schulung des Bedienpersonals auf die Änderung.
- Finale Freigabe (Post-Approval) und Aktivierung durch die QA.
Decommissioning (Außerbetriebnahme)
Das Decommissioning beschreibt den kontrollierten Rückbau oder die endgültige Abschaltung von GA-Komponenten oder ganzen Systemen, ohne den laufenden Betrieb verbleibender GxP-Bereiche zu gefährden und unter Wahrung der Datenaufbewahrungspflicht.
Phasen des Decommissioning-Prozesses
- Decommissioning-Plan: Erstellung eines formellen Plans, der den Umfang, die Verantwortlichkeiten und die Sequenz der Abschaltung definiert.
- Risikoanalyse (Abhängigkeiten): Prüfen, ob die abzuschaltenden GA-Komponenten (z. B. eine alte Automationsstation) Signale oder Verriegelungen für noch aktive, kritische Bereiche bereitstellen.
- Datensicherung & Archivierung (Data Retention):
- Sicherung aller historischen GxP-Daten (Alarme, Trends, Audit Trails).
- Langzeitarchivierung der Daten gemäß den gesetzlichen Aufbewahrungsfristen (oft 5 bis 30 Jahre) in einem lesbaren Format (PDF/A oder validierte CSV).
- Technische Durchführung & Demontage:
- Sicheres Trennen der Hardware von Feld-Netzwerken (BACnet, Modbus etc.), um Netzwerkkonflikte zu vermeiden.
- Physischer Rückbau und umweltgerechte Entsorgung.
- Status-Änderung in Dokumenten: Austragen der Komponenten aus dem Validierungsmasterplan (VMP), Asset-Registern und Kalibrierdatenbanken.
- Abschlussbericht (Decommissioning Report): Zusammenfassende Dokumentation über den Erfolg der Maßnahme und den Verbleib der Daten, freigegeben durch die QA.





