Die Inbetriebnahme und Qualifizierung der Gebäude Automation (Building Management System – BMS / Environmental Monitoring System – EMS) für kontrollierte Umgebungen erfolgt nach den geltenden
nach dem risikobasierten Ansatz gemäß
ISPE GAMP 5 und
EU-GMP-Leitfaden Annex 15.
Inbetriebnahme & Systemintegration (SAT)
- Loop-Check: Kalibrierung und Überprüfung jedes einzelnen Datenpunkts vom Feldgerät bis zur Managementstation (BMS/EMS) inklusive Protokollierung.
- Einregulierung der Regelkreise: Dynamischer Abgleich von komplexen HLK-Anlagen (z. B. thermo-dynamische Funktionen, Feuchte- und Temperaturkonstanz nach engen Toleranzen wie +/- 0,5 K).
- Schwarzstart-/Ausfalltests: Überprüfung des Systemverhaltens bei Stromausfall, Netzwerkunter-brechung oder Ausfall einer redundanten Steuerung (Fail-Safe-Positionen der Klappenantriebe).
Qualifizierung der Gebäudeautomation (BMS/EMS) im GMP-Umfeld
Regulatorische Grundlagen & Richtlinien
Die Ausführung aller Leistungen muss zwingend den folgenden Regelwerken in der jeweils aktuellen Fassung entsprechen:
- EU-GMP-Leitfaden Annex 11 (Computergestützte Systeme) und Annex 15 (Qualifizierung und Validierung)
- FDA 21 CFR Part 11 (Electronic Records; Electronic Signatures)
- ISPE GAMP 5 (A Risk-Based Approach to Compliant GxP Computerized Systems)
- DIN EN ISO 14644 (Reinräume und zugehörige Reinraumbereiche)
- VDI 3814 (Gebäudeautomation) und VDI 6022 (Hygieneanforderungen an RLT-Anlagen)
Qualitätsmanagement & Risikoanalyse (RA)
- Erstellung des Qualifizierungsplans (QP) für die Gebäudeautomation.
- Durchführung und Moderation einer systemischen und funktionalen GMP-Risikoanalyse (FMEA-Methodik) zur Identifikation qualitätskritischer Funktionen (Critical Quality Attributes / CQAs und Critical Process Parameters / CPPs).
- Erstellung und Pflege einer Rückverfolgbarkeitsmatrix (Traceability Matrix) von den Benutzeranforderungen (URS) über die Risikoanalyse bis hin zu den Testfällen.
Designqualifizierung (DQ)
- Prüfung der Spezifikationsdokumente (Lastenheft/URS, Pflichtenheft, FDS – Functional Design Specification, HDS/SDS).
- Prüfung der Netzwerkarchitektur und Datenschnittstellen (z.B. BACnet, OPC UA) auf GMP-Konformität (Datensicherheit, Audit Trail).
- Erstellung des DQ-Berichts inklusive GMP-Freigabe des Designs vor Beschaffung/Programmierung.
Installationsqualifizierung (IQ)
- Erstellung der IQ-Testpläne und Durchführung der Prüfungen vor Ort:
- Komponenten-Check: Abgleich der verbauten Sensorik/Aktorik mit den R&I-Fließbildern und Datenblättern.
- Kalibrierprüfung: Kontrolle der Kalibrierzertifikate aller kritischen GMP-Sensoren.
- Hardware/Software-Check: Überprüfung von Schaltschränken, SPS-Typen, Firmware-Ständen und Software-Lizenzen.
- Kabel- und Loop-Check: Stichprobenartige Verifikation der Signalwege.
Funktionsqualifizierung (OQ)
- Erstellung der OQ-Testpläne und Durchführung der funktionalen Prüfungen unter Standard- und Worst-Case-Bedingungen:
- Regelverhalten & Grenzwerte: Test der Regelgüte (Temperatur, Feuchte, Druck) und Verifikation der Alarm- und Aktionsgrenzen.
- Ausfallsicherheit: Simulation von Stromausfällen (USV-Test), Netzwerkunterbrechungen und Sensorbrüchen inklusive Rückfallkonzepten.
- Benutzerverwaltung: Verifikation des Rollen- und Rechtemanagements (Passwortrichtlinien, Single Sign-On).
- Audit Trail & Datenintegrität: Test der lückenlosen Aufzeichnung von Systemereignissen, Alarmquittierungen und Parameteränderungen (ALCOA+-Prinzip).
- Alarmierung: Überprüfung der Alarmweiterleitung (z.B. SMS, E-Mail, optische/akustische Signalgeber).
Dokumentationsanforderungen & Formate
- Sprache: Alle Dokumente sind in [Deutsch / Englisch] zu verfassen.
- Review-Schleifen: Pläne und Berichte sind vor der finalen Unterschrift als Entwurf (Draft) zur Prüfung durch die Qualitätssicherung (QA) des Auftraggebers vorzulegen.
- Abweichungsmanagement: Jede Abweichung während der IQ/OQ ist in einem standardisierten Abweichungsbericht (Deviation Report) zu dokumentieren, zu bewerten (Kritikalität) und einer CAPA-Maßnahme zuzuführen.
- Unterschriften: Die Dokumentation muss den Vorgaben für Good Documentation Practice (GDP) entsprechen (vollständige Rückverfolgbarkeit, handschriftliche oder validierte elektronische Signatur).
Übergabe, Einweisung & Lifecycle-Support
- Bediener- und Instandhalter-Schulung: Durchführung von qualifizierten Schulungen (theoretisch und praktisch am System) inklusive Schulungsnachweisen für die Personalakte.
- As-Built-Dokumentation: Übergabe der finalen, revidierten Pläne, Software-Backups und Parameterlisten.
- Wartungs- und Kalibrierkonzept: Bereitstellung von Plänen für die zyklische Rekalibrierung kritischer Sensoren im laufenden Betrieb ohne Prozessunterbrechung.
- Schulungsmanagement: Organisation von spezifischen Schulungen für das Betriebspersonal (getrennt nach Standard-Bedienern und Administratoren mit Audit-Trail-Rechten).
- Mängelverfolgung & Gewährleistung: Systematisches Tracking verbleibender Restpunkte über ein GMP-konformes Abweichungsmanagement (CapEx/OpEx-Übergang).
Beizustellende Leistungen des Auftraggebers (Schnittstellen)
- Bereitstellung der aktuellen Benutzeranforderungen (URS).
- Bereitstellung von qualifiziertem Personal für Medienfreischaltungen und Anlagenbedienung während der Testphasen.
- Bereitstellung von Zugängen zu den Räumlichkeiten und IT-Netzwerken.
- Finaler Review und Genehmigung (Genehmigungs-Unterschrift) aller Qualifizierungsdokumente durch die QA des Auftraggebers.





