Die Computer System Validierung (CSV) der Gebäude Automation (GA) in der Life-Science-Industrie stellt sicher, dass softwaregesteuerte Anlagen (z. B. HLK-Systeme, Monitoring-Systeme) GMP-konform funktionieren. Die Validierung meist dem V-Modell gemäß GAMP 5.
Qualitätsmanagement und Vorbereitung (Initialisierung)
In dieser Phase werden die regulatorischen Grundlagen und der Umfang des Projekts festgelegt.
- Validierungsplan (VP) erstellen: Definition von Strategie, Verantwortlichkeiten, Abgabeterminen und Akzeptanzkriterien für die Validierung der Gebäudeautomation.
- GMP-Klassifizierung und Risikoanalyse (Systemebene): Bewertung, welche Komponenten der Gebäudeautomation direkten Einfluss auf die Produktqualität oder Patientensicherheit haben (z. B. Reinraum-Steuerung vs. Büro-Klimatisierung).
- Lieferanten-Audit (SLA): Überprüfung, ob der GA-Lieferant nach einem nachvollziehbaren Qualitätsmanagementsystem arbeitet.
Spezifikationsphase (Linker Schenkel des V-Modells)
Hier wird detailliert dokumentiert, was das System leisten muss und wie es aufgebaut ist.
- User Requirement Specification (URS): Erstellung des Lastenhefts durch den Betreiber. Definition aller GMP-kritischen Anforderungen (Alarmgrenzen, Audit Trail, Zugriffsschutz nach 21 CFR Part 11).
- Funktionale Spezifikation (FS): Erstellung des Pflichtenhefts (meist durch den GA-Lieferanten). Beschreibung, wie die Software die Anforderungen der URS erfüllt.
- Design Spezifikation (DS): Technische Detailbeschreibung der Hard- und Softwarearchitektur (z. B. Netzwerkpläne, Datenbussysteme, Datenbänke).
- GAMP-Risikoanalyse (Funktionsebene): Detaillierte FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) der Softwarefunktionen, um kritische Schwachstellen zu identifizieren und Testtiefen festzulegen.
Implementierung und Codierung
Der Lieferant baut die Hardware auf und programmiert die Steuerungen (SPS/DDC) sowie das Leitsystem (BMS/SCADA).
- Code-Review: Überprüfung des Quellcodes der Gebäudeautomation auf Einhaltung von Program-mierrichtlinien und GAMP-Vorgaben (besonders bei Individualsoftware).
- Werkstest (Factory Acceptance Test - FAT): Erste Prüfung der Software und Schaltschränke beim Hersteller in einer simulierten Umgebung.
Verifizierungsphase / Testphase (Rechter Schenkel des V-Modells)
Nach der Installation vor Ort (Site Acceptance Test - SAT) startet die eigentliche Qualifizierung/Validierung in drei Kernschritten:
- Installationsqualifizierung (IQ):
- Abgleich der installierten Hardware, Feldgeräte (Sensoren/Aktoren) und Softwareversionen mit der Design Spezifikation.
- Prüfung der Kalibrierzertifikate aller GMP-kritischen Sensoren.
- Überprüfung der Netzwerkverkabelung und der Datensicherungssysteme.
- Funktionsqualifizierung (OQ):
- Testen der Softwarefunktionen gegen die Funktionale Spezifikation unter Normalbedingungen.
- Sicherheits- und Alarmtests: Überprüfung, ob das System bei Grenzwertüberschreitungen (z. B. Druckabfall im Reinraum) korrekt alarmiert.
- Datenintegrität und Security: Prüfung von Benutzerverwaltung, Passwortrichtlinien und der lückenlosen Aufzeichnung des Audit Trails.
- Stromausfall- und Wiederanlauftests: Verhalten des Systems bei einem Blackout.
- Leistungsqualifizierung (PQ):
- Funktionsnachweis: Nachweis, dass das Gesamtsystem im realen Produktionsbetrieb (oder simulierten Vollbetrieb) über einen längeren Zeitraum stabil läuft.
- Saisonaler Betrieb / Stresstests: Nachweis, dass die HLK-Regelung die Reinraumklassen auch bei extremen Außenbedingungen (Sommer/Winter) hält.
Validierungsabschluss und Betrieb
- Traceability Matrix (Rückverfolgbarkeitsmatrix): Abgleich, ob jede Anforderung aus der URS erfolgreich in der IQ/OQ/PQ getestet wurde.
- Validierungsabschlussbericht (VSR): Zusammenfassung aller Testergebnisse, Bewertung von Abweichungen (Deviations) und formelle Freigabe des GA-Systems für den produktiven GMP-Betrieb.
- Systemlebenszyklus (SLA) im Betrieb: Etablierung von Prozessen für Change Management (Änder-ungen an der Software), periodische Revalidierung, Backup/Restore und Disaster Recovery.

