Eine strukturierte Leistungsbeschreibung für die Software- und SPS-Programmierung der Gebäudeautomation nach VDI 3814 basiert auf den drei Kernarbeitsmitteln GA-Funktionsbeschreibung (GA-FBS), GA-Automationsschema (GA-AS) und GA-Funktionsliste (GA-FL) gemäß VDI 3814 Blatt 4.3 sowie den Vorgaben der AMEV-Empfehlungen zur Gebäudeautomation. Sie teilt sich in Pflichten, Software-Struktur, Funktionstests und Dokumentation auf. [1, 2]


 

1. Allgemeine Grundlagen & Vorgaben

  • Normativer Rahmen: Ausführung nach VDI 3814 (Blätter 1, 2.x, 3.x, 4.x) und geltenden AMEV-Empfehlungen (z. B. BACnet-Konformität).
  • Objektive Darstellung: Funktionsbeschreibungen müssen sachlich, faktisch und ohne Interpretationsspielraum erfolgen.
  • Gewerkeübergreifender Ansatz: Integration von Raumautomation (Heizen, Kühlen, Lüften, Beleuchtung, Sonnenschutz) und Anlagenautomation (Wärmeerzeugung, Kälteerzeugung, RLT-Anlagen). [1, 2, 3, 4]

 

2. Struktur der Programmier-Leistungsbeschreibung

2.1 Engineering & Software-Erstellung (SPS-Ebene)

  • Software-Architektur:
  • Modulare Programmierung nach Funktionsbausteinen (gemäß VDI 3814 Blatt 3.1).
  • Trennung von Standard-Bibliotheken (Regler, Zeitprogramme, Meldebehandlung) und anlagenspezifischer Logik. [1]
  • Kennzeichnung & Adressierung:
  • Konsequente Anwendung des Kennzeichnungssystems nach VDI 3814 Blatt 4.1(Anlagen-, Ort-, Funktions- und Betriebsmittelkennzeichnung).
  • Durchgängige Datenpunktliste mit einheitlicher Nomenklatur. [1]
  • Regelungs- und Steuerungslogik:
  • Grundfunktionen je Anlagentyp (z. B. Freigabe, Sollwert-Vorgabe, Kaskadenregelung, Frostschutz, Wärmerückgewinnung).
  • Verriegelungen und Sicherheitsfunktionen (z. B. Brandschutz, Ausfallsicherheiten bei Busunterbrechung).
  • Energieeffizienzfunktionen (Vermeidung von gleichzeitigem Heizen und Kühlen, Lastmanagement nach DIN EN ISO 16484 / DIN EN 15232). [1, 2]

2.2 Bedien- und Beobachtungsebene (Management- und Bedienebene / MBE)

  • Visualisierung / GLT-Anbindung:
  • Erstellung von anlagenspezifischen Übersichts- und Detailbildern nach einheitlichem UI/UX-Standard.
  • Integration von Bedienmasken für Hand-/Automatik-Umschaltung, Sollwertverstellung und Betriebsmeldungen.
  • Alarm- und Meldemanagement:
  • Priorisierung von Meldungen (Störung, Warnung, Betriebsinformation).
  • Festlegung von Verzögerungszeiten, Quittierungslogiken und Weiterleitungsregeln (E-Mail/SMS/GLT-Archiv).
  • Trend- und Energiemonitoring:
  • Parametrierung von Messwert- und Zustands-Archivierungen (Aufzeichnungszyklen, Speicherintervalle).

2.3 Inbetriebnahme, Simulation & Funktionstest

  • Offlinetest / Software-Simulation:
  • Vorab-Test der Logikbausteine vor Ort im Labor/Büro (Signal- und Schnittstellencheck).
  • Inbetriebnahme und Funktionstest (IBS):
  • Loop-Check (Prüfung der Signale vom Feldgerät bis zur GLT).
  • Durchführung und Protokollierung des Werksinbetriebnahme- bzw. VDI-Funktionstests (Nachweis der Funktionslisten-Punkte).
  • Einregeln von Regelkreisen (PID-Parameter optimieren).

2.4 Dokumentation & Übergabe

  • Quellcode & Backups: Vollständige Übergabe kommentierter Projekt-Quellcodes, Bibliotheken und Parameterlisten.
  • Revisionsunterlagen:
  • Aktualisierte GA-Funktionsliste (GA-FL).
  • GA-Automationsschemen (GA-AS) im Revisionsstand.
  • Einweisung und Schulung des Betreiberpersonals (nach VDI 3814 Blatt 1/4)