Eine strukturierte Leistungsbeschreibung für das Engineering der Gebäudeautomation (GA) basiert maßgeblich auf der Richtlinienreihe VDI 3814 (Ausgabe ab 2019). Sie dient dazu, die herstellerneutrale Software-Erstellung, Systemintegration und Inbetriebnahme rechtssicher und funktional eindeutig zu beschreiben.

Die folgende Struktur gliedert die Engineering-Leistungen entlang des Lebenszyklus und der Ebenenarchitektur der GA.


 

1. Grundlagen & Systemarchitektur (VDI 3814 Blatt 2.1 / 2.2)

  • Adressierungs- und Kennzeichnungssystem (AKS): Umsetzen des im Projekt festgelegten, einheitlichen AKS (z. B. nach VDI 3814 Blatt 4.1) für alle Datenpunkte und Software-Objekte.
  • Netzwerk- und Topologieplanung: Ausplanung der physischen und logischen Netzwerkstrukturen (Managementebene, Automationsebene, Feldebene).
  • Protokolldefinition: Konfiguration und Absicherung der Kommunikationsprotokolle wie BACnet (inkl. BACnet/SC), KNX oder Modbus.

2. Software-Engineering & Funktionsprogrammierung (VDI 3814 Blatt 3)

  • GA-Funktionslisten (VDI 3814-2.2): Softwaretechnische Umsetzung aller Ein- und Ausgänge sowie der softwareinternen Verarbeitungsfunktionen auf Basis der standardisierten GA-Funktionsliste.
  • Anlagen-Automationsfunktionen (Systemautomation): Programmierung von Steuerungs- und Regelungsalgorithmen (z. B. HLK-Funktionsmakros) für energieeffizienten Betrieb.
  • Raumautomationsfunktionen (VDI 3813 / VDI 3814-3.2): Gewerkeübergreifende Programmierung von Beleuchtung, Sonnenschutz und Raumklima basierend auf Raum-Funktionsmakros.

3. Bedien- und Managementfunktionen (VDI 3814 Blatt 3.1)

  • Bedienkonzept & Benutzerschnittstellen (HMI): Erstellung ergonomischer Grafiken, Anlagenbilder und Dashboards nach den Vorgaben der Richtlinie.
  • Meldungs- und Alarmmanagement: Strukturierung und Priorisierung von Stör-, Betriebs- und Wartungsmeldungen sowie deren Weiterleitung (z. B. SMS, E-Mail).
  • Datenarchivierung & Trendings: Konfiguration der historischen Datenerfassung zur Überwachung der Energieeffizienzklassen (nach DIN EN ISO 52120 / ehemals DIN EN 15232).

4. Schnittstellenkoordination & Integration (Gewerkeintegration)

  • Fremdsystem-Anbindung: Engineering der Gateways und Protokollwandler für herstellerfremde Paketanlagen (z. Kälteanlagen, Aufzüge, BHKW).
  • Datenpunkt-Mapping: Zuordnung und Validierung von Datenstrukturen integrierter Teilsysteme zur herstellerneutralen Management- und Bedieneinrichtung (MBE).

5. Qualitätssicherung, Abnahme & Dokumentation (VDI 3814 Blatt 2.3)

  • Werk- und Montageplanung (WMP): Erstellung der qualifizierten Software-Dokumentation, Ablaufdiagramme und GA-Funktionsbeschreibungen vor Programmierbeginn.
  • Factory Acceptance Test (FAT): Durchführung und Protokollierung von Software-Vortests im Labor/Prüffeld.
  • Site Acceptance Test (SAT) & Inbetriebnahme: Funktionsprüfung aller softwaretechnischen Verknüpfungen (Loop-Test) am realen Objekt bis zur mängelfreien Übergabe.

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